Zensus 2011 – Dinge, die die Welt nicht braucht

War ja klar: Bei sämtlichen Gewinnspielen immer die Arschkarte, dafür aber jetzt bei der aktualisierten Ausgabe der „Volkszählung“ (auf modern getrimmt heißt es nun „Zensus 2011“) das große Los ziehen und zum Kreis der Zwangsbefragten gehören! Vielen Dank Schicksal  :motz: !

Die „Gewinnbenachrichtigung“ samt Terminankündigung, nicht personalisiertem Anschreiben und einem kleinen Faltblättchen, in dem die unbedingte Notwendigkeit einer solchen Zählung zu begründen versucht wird, lagen heute im Briefkasten. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich mir von Fremden ungern Termine aufdiktieren lasse, die sich dann auch noch in einem großzügigen Zeitfenster von 4 Stunden befinden, kann ich hinter der ganzen Sache, die sich mit geschätzten Kosten von rund  710 Millionen Euro im Staatshaushalt bemerkbar macht, ganz einfach nicht den Sinn erkennen. Oder wird mir der Staat eine Badewanne bezahlen und installieren, wenn ich angebe, dass in meinem Haushalt keine vorhanden ist :irre: ? Hat er aktuell wirklich gar keine Ahnung über die tatsächlichen Verhältnisse und regiert einfach nach Gutdünken? Es sieht zwar so aus, keine Frage, aber öffentlich eingestehen würde das doch sicher niemand.

Wie ich heiße, wo ich wohne, und was ich sonst noch an relevanten und nachzufragenden Daten bieten kann (Beruf, Familienstand, Schuhgröße, sexuelle Vorlieben, …), sollte sich doch mittlerweile bei den heimischen Ämtern und Behörden rumgesprochen haben. Wenn sogar die GEZ glaubt zu wissen, dass ich Fernseher und Radios zum Empfang vorhalte, dann kann sich das Einwohnermelde-, Finanz- und Gedönsamt ja schlecht noch ahnungsloser anstellen, oder?

Machen sie aber! Und wollen mir ca. 10 – 30 Minuten meiner kostbaren Zeit stehlen!

Bei einer simplen Anmeldung eines Nebenwohnsitzes hat man mir in der Vergangenheit sogar ungefragt und kostenpflichtig eine Mülltonne vor die Tür gestellt – die Kommunikation zwischen Amt und Abfallentsorger scheint also auf jeden Fall funktioniert zu haben :) .

Immerhin räumt man mir die Möglichkeit ein, sofern mir der angegebene Termin nicht zusagt, mit meinem Erhebungsbeauftragten ( :doh: ) einen neuen Termin zu vereinbaren. In „dringenden Fällen“ (was auch immer das sein mag) kann man sich sogar direkt an die jeweilige Erhebungsstelle wenden. Ganz am Puls der Zeit vorbei kann man dies allerdings nicht per E-Mail tun, sondern nur telefonisch. Glücklicherweise gibt der gute Mann nicht nur seine dienstliche Rufnummer, sondern seine private gleich noch mit an. Mal schauen, ob heute nach Mitternacht da noch jemand rangeht  :mrgreen:  (wäre das dann übrigens ein dringender Fall?).

Oder soll ich besser direkt bei Roderich Egeler, seines Zeichens Präsident des Statistischen Bundesamtes, der in der Vergangenheit mit seinem „Nebenjob“ als Bundeswahlleiter nicht gerade unumstritten war (hier und hier), meinen Unmut äußern?

Vielleicht könnte ich dort auch gleich mitteilen, dass mein Opa, dem man nun ebenfalls einen Fragebogen für Hausbesitzer zugeschickt hat, bereits seit einigen Jahren verstorben und sein Haus ordnungsgemäß und dokumentiert an die Erben übergegangen ist. Ich wüsste nicht, war er in der Sache noch antworten sollte :pfeif: ! Oder wäre das nun ein günstiger Zeitpunkt, für seine „Wiederbelebung“ zu sorgen, auf dass man von höchster Stelle die Rentenzahlung wieder aufnimmt :roll: ? Wie auch immer: Sein Fragebogen ist schon ordnungsgemäß wieder abgeschickt, und zwar über einen dieser großen blauen Plastikbriefkästen mit Deckel, die einmal im Monat überall am Straßenrand stehen :P .

Vielleicht (hoffentlich :mrgreen: ) brummen sie ihm ja ein ordentliches Bußgeld ob seiner Verweigerungshaltung auf – das könnte ein Riesenspaß werden  :hurra: !

Wer ebenfalls zu den Gewinnern gehört und seine Gewinnbenachrichtigung auch schon in der Post hatte: Hier gibt es neben weiterer Kritik an und Handlungsmöglichkeiten für den ganzen Mumpitz auch lustige Plakate, die nach genauerer Betrachtung vielleicht gar nicht mehr sooo lustig sind  :o

Meine 4 Favoriten (eigentlich wollte ich nur einen, aber ich konnte mich nicht entscheiden) sind übrigens:



  1. Ich weiß garnicht, was es hier zu meckern gibt.
    700 Mille ist doch auch nicht die Welt.
    Und das Geld in etwas unsinniges wie Schulen, Kindergärten, Straßen oder ähnliches zu stecken wäre doch Quatsch.
    Auch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe des Kartellamtes, um die jahrzehntelangen Preisabsprachen der Ölfirmen zu unterbinden wäre wirklich unproduktiv. Schließlich würde das die Binnenwirtschaft nicht verbessern, den Lebensstandard der Bevölkerung nicht erhöhen und auch sonst keinen Benefit für das Volk darstellen. Erinnert mich immer an Thank you for Smoking: „Und das ist Dr. Edward von Kruppten Mund, sie haben ihn in Deutschland gefunden. Er versucht seit Jahren einen Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Problemen und dem Rauchen nachzuweisen. Bisher ohne Erfolg. Er könnte sogar die Gravitation wiederlegen.“

    Glücklicherweise gibt es Aldi. Die kümmern sich noch um die Menschen:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article4043359/Aldi-loest-Benzin-Preissturz-in-Oesterreich-aus.html
    etwas aktueller:
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/0,2828,739855,00.html

    auch gut:
    http://www.youtube.com/watch?v=IQ7zYIp314M&feature=player_embedded

    Viel Spaß beim wahrheitsgemäßen ausfüllen.
    Bist du eigentlich auch Lheghastenika?

    Fällt mir sonst noch was kleveres ein?

    Vielleicht: Die Wahrheit ist immer sehr subjektiv, oder frei nach Helge Schneider: „Wer hat sich nicht schon einmal vertan?“

    • T.
    • 21. Mai. 2011

    Ich durfte beim Gewinnspiel schon mitmachen und hatte echte Mühe die „nette“ Dame zu überzeugen, dass ich das Formular doch im Netz ausfüllen will – OHNE SIE !

    Sie warnte mich dann noch, dass es „unglaublich viel“ Arbeit wäre und ich mir doch besser von ihr helfen lassen sollte…..

    Na, ja – hab dann alleine für mich und meine 4 Racker ungefähr 4 Minuten gebraucht, :D die 5 Fragebögen auszufüllen, am längsten dauerte das Eingeben des „Aktivierungscodes“

    Soviel zum Thema „Dinge, die die Welt nicht braucht“

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