Der Beweis ist erbracht: Geocacher sind schuld!

Zumindest dann, wenn man dem Jagdpächter in Telgte Glauben schenkt. Der sieht nämlich die seit 2009 stark vermehrten Wildunfälle, 48 an der Zahl, ganz klar im Zusammenhang mit nächtlichen Geocachern, die auf der Suche nach einem Nachtcache das Wild aufschrecken und somit dafür sorgen, dass es sich aus seinem Gebiet zurückzieht und am frühen Morgen, pünktlich zum Berufsverkehr, erst wieder zurückkehrt. Und dabei dummerweise eine Straße überquert :( .

So zu lesen in einem Artikel der Ahlener Zeitung von heute.

Bei den genannten Nachtcaches, von denen einer bereits archiviert ist, dürfte es sich wohl um die beiden hier handeln:

Klatenberge @ Night reloaded (GC1W3WW) – bereits archiviert

Telgtes Emsauen und Umgebung bei N8 (GC2KF74) – aktiv

Zugegeben, ich kenne mich nicht wirklich mit den Gegenheiten vor Ort aus, aber die vorgebrachte, ganz klare, Erkenntnis, dass der Übeltäter zweifelsfrei ausgemacht sei, verwundert mich ein klein wenig :( . Meiner bescheidenen Kenntnis nach verlässt das (Reh-)Wild doch ohnehin in der Dämmerung seinen angestammten Platz, um auf Nahrungssuche (auf den umliegenden Feldern) zu gehen. Und dabei ist es den Tieren reichlich egal, ob dazwischen nun eine Straße verläuft oder nicht.

So zumindest sieht es bei meinem Hin- und Rückweg in / von Richtung Arbeit aus, dort versammeln sich tagtäglich zahlreiche Rehe auf den der Straße angrenzenden Wiesen und Feldern. Und wenn ich davon ausgehen darf, dass sie dort eben nicht immer stehen, müssen sie wohl zwangsläufig wieder über die Straße zurück. Und in dieser Gegend gibt es nicht einen einzigen Nachtcache. Weder aktuell, noch früher!

Auch bei zwei Wildunfällen, an denen ich (und mein Auto) leider beteiligt waren :o , gibt es in der näheren und weiteren Umgebung keine Dose@Night, beide ereigneten sich in einem Radius von 5 km von meinem Wohnort.

Überhaupt, meines Wissens nach gibt es die Verkehrszeichen vom Typ 142-10 (Wildwechsel) schon deutlich länger als Geocaching, es wird also durchaus noch eine Vielzahl anderer Gründe geben, warum das Wild irgendwelche Straßen überquert. Wie also kommt man dazu, die beiden Nachtcaches als Verursacher auszumachen? Die Beweisführung, insbesondere im Hinblick auf das Wörtchen „signifikant“, hätte ich gerne mal gesehen. Ich lasse mich ja gerne eines besseren belehren, aber dann bitte auch mit stichhaltigen Beweisen. Und so lange es die nicht gibt (bzw. ich sie nicht kenne), teile ich größtenteils die Meinung des Kommentarschreibers „Telgtekritisch“.

Ein kleiner Zusatz vielleicht noch: Nein, ich bin kein ausgewiesener Nachtcache-Fan und habe auch erst einen gemacht. Ich will also ganz sicher nicht Partei ergreifen für die ganze Nachtcacher-Fraktion und gegen die armen Jäger / Förster / Naturschützer. Aber solche Ruckzuck-Vorverurteilungen regen mich manchmal eben einfach auf …

    • Cacherin
    • 12. Jul. 2011

    Mich würde interessieren wer dieser Geocacher Claus Röttig ist.
    Das er Reporter bei der WN ist und recht übel übers GC schreibt ist ja allen bekannt…nur wie nennt er sich selbst als Geocacher?

    • bjoern
    • 25. Feb. 2011

    M.E. litt der Lokalteil der Ahlener Zeitung wohl an akutem Artikelmangel, weswegen ein Seitenfüller her musste.
    Es wurde nicht einmal versucht eine Beweisführung anzutreten. Der Aufhänger des Artikels ist tatsächlich nur die „Meinung“ von Herrn Hobeling und die ist, wie ja alle Meinungen höchst subjektiv. Zumindest Statistiken aus dem gleichen Vorjahreszeitraum in Relation zum Zeitpunkt der Geocacheveröffentlichung wären hier Pflicht gewesen. Solche Fakten gibt es hier nicht. Daher erübrigt sich im Grunde auch jegliche Diskussion, da hierfür eine gute Grundlage notwendig wäre.
    Da fällt mir nur folgendes ein, wobei ich vergessen habe von wem es stammt:
    „Hierzulande kann jeder sagen was er denkt, auch wenn er nicht denken kann.“

    Schade finde ich nur, dass so ein Hobby öffentlich diskreditiert wird, das es pauschal sicherlich nicht verdient hat.

    Für die Herren Röttig und Hebeling ist die Welt eben schwarz/weiß, aber, wie meine Frau immer so schön sagt:
    There are many shades of grey.

    Und dabei bin ich nichtmal Geocacher.

    • Marcus
    • 25. Feb. 2011

    Viele (bzw. viel mehr als üblich) Wildunfälle liegen wohl zuallerst an zu vielm Wild. Das es hier (von Jägern gewollt) Überbestände gibt, ist wohl kein Geheimnis, ebenso wie Kirrungen die sich nicht an die Regeln halten.

    Meines Erachtens müssen die Jagdpächter (und auch ein paar Förster) aufpassen, dass sie es nicht übertreiben, mit Vorwürfen, Bedrohungen und ähnlichem Dummfug.
    Der Wald gehört UNS! Jäger haben hier ein paar besondere Rechte, die jedoch nicht vor den anderer Waldnutzer gehen. Auch wenn sie immer anderes selbst verlauten lassen.
    Ärgern sie uns Walker, Hundebesitzer, Reiter, Spaziergänger, Geocacher, Mountain-Biker, Wanderer und Touristen zu sehr, sollten wir zurückschlagen! Zusammen! Das hier aus den eigenen Reien immer wieder um „Rücksicht“ geworben wird, ist meiner Meinung nach unnötig. Bis auf wenige Ausnahmen tun das wohl alle Geocacher. Zeit zur Rücksichtnahme (v.a. im Ton und Auftreten) ist es für die Jäger! Andernfalls könnte man ihnen ja mal ernsthaft den Spaß an ihrem – sehr teuren – Hobby nehmen. :ups:
    Marcus

    • Chris Race
    • 25. Feb. 2011

    @ThiloG
    Jepp, ich hab‘ in die Karte geschaut, und bin davon ausgegangen, dass es sich bei einem NC normalerweise um einen Multi handelt. Und da gab es eben in der näheren Umgebung nur noch diesen, gleichwohl mir die Entfernung zu der im Zeitungsartikel genannten Straße etwas weit vorkam. Deshalb ja auch das Wörtchen „dürfte“, was (m)eine Vermutung ausdrückt.

    • ThiloG
    • 25. Feb. 2011

    Der neue Nachtcache liegt nicht näherungsweise in der Gegend des archivierten NCs. Luftlinie geschätze 2km auf der anderen Seite der Stadt.

    Ein Blick auf die Karten hätte dem Artikelschreiber gut zu Gesicht gestanden, hat er sich doch schon die Mühe gemacht die Caches zu verlinken.

    Der in der Zeitung vermutete NC ist nur ein normaler Tradi (GC2DCFV) und liegt dort schon länger. Jedoch soll es laut Beobachtungen von Anwohnern so sein, dass „in letzter Zeit“ von diesem Cache/Parkplatz Leute mit Taschenlampen in den Wald gehen.

    Ego schliesst der Laie (leider ohne Nachzufragen) -> Neuer NC in der Gegend.

    Interessant finde ich, dass es im Jan. 2011 ohne jeglichen Nachtcache auch 6 Wildunfälle gab.

    • diltigug
    • 25. Feb. 2011

    Sofern der 2. Cache, der ja wohl erst im Januar gelegt wurde, wieder durch besagtes Gebiet führt (ich kenne die Gegebenheiten vor Ort nicht), ist das natürlich eine sehr ungeschickte Sache genau dort wieder einen Nachtcache zu legen. Das könnte vom Jagdpächter auch als Provokation wahrgenommen werden. Ich gehe mal davon aus, das die Owner des neuen Caches aus der Gegend sind und den archivierten Cache und den Grund der Archivierung kennen. So macht man sicher keinen Stich bei dem Jagdpächter und erweist unserem Hobby einen Bärendienst.
    Wie gesagt viel Spekulation von mir, aber ich habe ich leider den Eindruck, manchen fehlt es an Sensibilität in solchen Dingen.
    Das Betrifft allerdings auch den „Qualitätsjournalismus“ des Zeitungsartikels. Für mich ist der Beweis, das die Zunahme der Unfälle auf Nachtcacher zurück zu führen sind, keineswegs erbracht. Da hätte man noch besser recherchieren sollen.

    • Bursche
    • 25. Feb. 2011

    Was ich mich frage, weshalb musste ein Monat nach der Archivierung am 1.12.10 bereits am 01.01.11 ein neuer Nachtcache in dem Gebiet gelegt werden. Hätte man da nicht warten können, bis sich der Jagdpächter wieder beruhigt hat? Bzw. hätte man nicht auch das Gespräch mit den Jägern suchen können, bevor man in einem Gebiet wo der letzte Konflikt gerade beigelegt wurde, den nächsten Cache auslegt?

  1. Wild würde vor Jägern ja niemals flüchten. Also muss es jemand anderes sein…
    http://www.abschaffung-der-jagd.de/presse/leserbriefvorlagen/50900096310ed0b0b.html

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